EIN NEUER HUND – Oh ja – und nun?

Es gibt unzählige gute Ratschläge und Beiträge zu diesem Thema daher schreib ich nicht nochmal eine Liste mit selbigem. Doch es lohnt sich mal ganz individuell hinzuschauen. Denn jeder Hund und jedes Herrchen hat andere Lebensumstände. Mit enormen Auswirkungen für den Vierbeiner.

DAS RÜSTIGE RENTNERPAAR – die haben doch Zeit?
Beide wünschten sich einen tierischen Begleiter zum Kuscheln auf dem Sofa und kleinen gemütlichen Spaziergängen. Die Wahl fiel auf einen lustig aussehenden Hund aus dem Tierschutz – jung und quirlig. Leider war der junge Hund mit der neuen Umgebung in der Großstadt völlig überfordert. Wurde immer nervöser und reagierte irgendwann sogar aggressiv. Und seine neuen Herrchen wussten nicht, wie sie sich verhalten sollten und haben versucht ihn mit ständigem Leckerchen füttern abzulenken.
Das Ende vom Lied: Enttäuschte und frustrierte Hundebesitzer und ein traumatisierter junger Hund, der erst nach einer Neuvermittlung und nach langer Zeit Vertrauen fasste und heute zum Glück ein zuverlässiger Begleiter ist.

Was ich den beiden geraten hätte:
Einen Hund aus dem Tierschutz aufzunehmen, ist eine tolle Sache, aber hier sollte genau darauf geachtet werden, was der Hund bisher erlebt hat und was für einen Charakter er hat:
• Es lohnt sich der Blick auf charmante Senioren, denen die kleine Runde durch den Park reicht und die das kleine Hundeeinmaleins bereits kennen.
• In Tierheimen können Sie Probegassi gehen und den zukünftigen Mitbewohner vorab schon mal kennen lernen.

SELBSTSTÄNDIGES PÄRCHEN = selbstständiger Hund?
Ein Pärchen entscheidet sich für einen Labrador Welpen, denn Labbis gelten ja in der Regel als pflegeleicht. Aber auch ein Labbi-Welpe ist ein Baby und muss nachts alle 3-4 Stunden raus, damit er schnell stubenrein wird. Erzogen und beschäftigt werden will er auch. Das ist ungewohnt und anstrengend! Unser Kleiner wurde nach 2 Tagen wieder seinem Züchter übergeben. Zwar hatte er Glück und fand schnell ein neues zu Hause, aber 3 Umzüge in 2 Wochen, haben ihre Spuren hinterlassen. Er ist immer noch unsicher und fühlt sich in neuen Umgebungen sehr unwohl.

Was ich hier empfohlen hätte:
Mit Welpen ist es wie mit Babys: sie bestimmen unseren Tagesablauf und zwar 24 Stunden. Zwar dauert es nicht ganz so lange bis sie erwachsen werden, aber man muss sich 3-4 Monate auf unruhige Nächte mit frühem Aufstehen einstellen. Hinzu kommt die Erziehung, Training und Beschäftigung des Hundes.
Ein kleiner Vorab-Test:
• Stellt Euch doch mal für eine Woche den Wecker um 01:00 Uhr, 03:00 Uhr und 06:00 Uhr. Das Aufstehen geht ganz easy? Super.
• Ihr habt Freunde die einen Junghund / Hund haben? Fragt doch ganz gezielt einmal nach den Erfahrungen und Einschätzungen.

Sicher ist die Realität dann nochmal anders und intensiver aber Ihr bekommt einen Eindruck wie es sein kann.

DIE HUNDETRAINERIN – da passt jeder Hund?
Seit Jahren wünsche ich mir einen Briard – schöne, zottelige, starke, eigensinnige Persönlichkeiten. Aber leider wenig sozial aufgeschlossen und territorial. Nicht ganz die passende Rasse, um in meiner GassiService-Gruppe dabei zu sein. 

Was ich getan habe:
Schweren Herzens den Traumhund auf einen passenderen Moment in der Zukunft verschoben. Heute begleiten mich zwei lustige Labradore, die mit ihrer unkomplizierten und offenen Art meine Gasthunde jeden Tag freudig begrüßen und sich auf Outdoor-Abenteuer freuen.

FAZIT:
Bitte seid immer realistisch und ehrlich zu Euch selbst. Ein Hund ist ein Lebewesen mit Bedürfnissen und Anforderungen. Wenn wir sie nicht erfüllen können, sollten wir dem Hund zuliebe darauf verzichten oder uns z.B. für eine andere Rasse entscheiden, die zu unseren Möglichkeiten und denen des Hundes passen. Dann wird auch mit hoher Wahrscheinlichkeit der Wunsch nach einem zufriedenen, bereichernden und vertrauensvollen miteinander erfüllt.

Unterstützung bekommt ihr ebenfalls z.B. bei Hundeschulen, Hundetrainern/innen und Hundeverhaltensberatern/innen.

Also überlegt gut und bleibt realistisch. Wir wünschen schon jetzt viel Freude mit dem neuen Familienmitglied. 🙂